In einer längst vergangenen Zeit, als Himmel und Erde noch nah beieinander lebten, gab es eine Liebe, die so stark war, dass selbst die Tiere der Erde und die Sterne des Himmels berührt wurden. Vega, die Himmelsprinzessin, bekannt als Zhinü, war die talentierteste Weberin der Sternenreiche. Ihre kunstvollen Werke schufen den glitzernden Schleier der Milchstraße. Auf der Erde, im Schatten eines stillen Flusses, lebte Altair, der Kuhhirte, der dort unter dem Namen Niulang bekannt war. Ihr Schicksal war in den Sternen geschrieben.
Eines Nachts, als Zhinü ihre Arbeit unterbrach und zur Erde hinabblickte, sah sie Niulang. Seine Hände streichelten sanft das Fell seiner Kühe, und seine Stimme trug ein Lied, das die Nacht erfüllte. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, und sie wusste, dass sie ihm begegnen musste. Gegen alle himmlischen Regeln schlich sie sich zur Erde hinab. Als sie sich trafen, war es, als hätte die Zeit sie immer nur auf diesen Moment vorbereitet. Sie liebten sich so tief, dass Himmel und Erde Zeuge eines Wunders wurden.
Doch ihre Liebe war verboten. Die Himmelskaiserin, Zhinüs strenge Mutter, trennte sie gewaltsam. Sie riss Zhinü zurück in den Himmel und zog die funkelnde Milchstraße zwischen sie, um sie für immer voneinander zu trennen. Niulang, untröstlich, versuchte, ihr zu folgen, doch die Milchstraße war unüberwindbar. Ihre Tränen fielen wie funkelnde Perlen vom Himmel und erschütterten die Erde.
Es waren die Elstern, die dieses Leid nicht ertragen konnten. Diese klugen und treuen Vögel hatten das Jammern des Kuhhirten und das leise Weinen der Himmelsweberin gehört. Sie versammelten sich aus allen Ecken der Welt. Schwarze und weiße Flügel formierten sich wie Wellen am Himmel, und gemeinsam schmiedeten sie einen Plan.
„Wir werden eine Brücke aus unseren Körpern bauen“, rief der älteste unter ihnen. „Eine Brücke, die stark genug ist, die Milchstraße zu überqueren, damit Altair und Vega sich wiedersehen können.“
Am siebten Tag des siebten Monats erhoben sich Millionen von Elstern in die Lüfte. Sie flogen höher und höher, bis ihre Flügel ein schimmerndes Band über die Milchstraße bildeten. Ihre Federn glitzerten im Licht der Sterne, und ihr Gesang erfüllte den Himmel mit einer Melodie, die voller Hoffnung und Liebe war.
Niulang, geführt von seiner unermüdlichen Sehnsucht, trat auf diese Brücke, während Zhinü von der anderen Seite auf ihn zuging. Ihre Hände fanden einander, ihre Herzen schlugen wie eins, und die Zeit schien stillzustehen. Die Elstern, stolz auf ihr Werk, flatterten in der Luft und verkündeten die Rückkehr der Liebe, wenn auch nur für kurze Zeit.
Von diesem Tag an wiederholen die Elstern jedes Jahr ihr Opfer. Sie kommen aus allen Winkeln der Welt, um Altair und Vega – oder wie die Menschen sie nennen, Niulang und Zhinü – zusammenzubringen. Die Sterne Altair und Vega, getrennt durch die Milchstraße, funkeln heller als je zuvor, wenn die Elstern ihre Brücke bauen.
Auf der Erde feiern die Menschen dieses Wunder als das Qixi-Fest in China oder Tanabata in Japan. Sie blicken zum Himmel und wissen, dass Liebe Grenzen überwinden kann – selbst die zwischen Himmel und Erde. Und die Elstern, die Hüter dieser Liebe, erinnern uns daran, dass Mitgefühl und Treue wahre Wunder vollbringen können.